Der Fachkräftemangel ist in vielen Branchen längst Realität. Ingenieure, IT-Spezialisten, medizinisches Personal, erfahrene Handwerker – sie alle sind Mangelware. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, in diesem umkämpften Markt die besten Talente für sich zu gewinnen.
Doch wie gelingt das? Wie hebt man sich als Arbeitgeber von der Konkurrenz ab? Wie überzeugt man Fachkräfte, die oft mehrere Angebote gleichzeitig haben? In diesem Artikel zeigen wir Personalverantwortlichen, Geschäftsführern und HR-Managern erfolgreiche Strategien, um im Wettbewerb um Talente zu bestehen.
Die Realität: Warum Talente heute die Wahl haben
Um erfolgreiche Recruiting-Strategien zu entwickeln, müssen wir zunächst verstehen, warum Fachkräfte heute in einer so komfortablen Position sind:
Demografischer Wandel: Die Babyboomer gehen in Rente, es kommen weniger junge Menschen nach. Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt wächst.
Digitalisierung: Neue Technologien schaffen ständig neue Berufsfelder und Anforderungen. Die Nachfrage nach Spezialisten in IT, Datenanalyse, KI und anderen Zukunftsbereichen übersteigt das Angebot bei weitem.
Wertewandel: Für viele Arbeitnehmer, besonders der jüngeren Generationen, sind Sinnstiftung, Flexibilität, Work-Life-Balance und Unternehmenskultur genauso wichtig wie das Gehalt.
Transparenz: Bewertungsportale wie Kununu oder Glassdoor machen Unternehmenskultur transparent. Kandidaten informieren sich vorab genau über potenzielle Arbeitgeber.
Strategie 1: Eine starke Arbeitgebermarke (Employer Branding) aufbauen
Employer Branding ist kein Modewort, sondern eine Notwendigkeit. Ihre Arbeitgebermarke ist das Bild, das potenzielle Bewerber von Ihnen haben. Und dieses Bild können Sie aktiv gestalten.
Was gehört zu einer starken Arbeitgebermarke?
1. Authentische Arbeitgeberwerte
Was macht Ihr Unternehmen als Arbeitgeber aus? Was sind Ihre Werte? Wofür stehen Sie? Definieren Sie Ihre Employer Value Proposition (EVP) – das Versprechen, das Sie Mitarbeitern geben.
2. Mitarbeiter als Markenbotschafter
Ihre eigenen Mitarbeiter sind Ihre besten Botschafter. Ermutigen Sie sie, auf LinkedIn, Xing oder anderen Plattformen über ihre Arbeit bei Ihnen zu berichten. Zeigen Sie echte Menschen und echte Geschichten.
3. Online-Präsenz
Ihre Karriereseite sollte mehr sein als eine Liste offener Stellen. Zeigen Sie Fotos vom Team, Videos vom Arbeitsalltag, Berichte über Projekte und Erfolge. Pflegen Sie Ihre Profile auf Bewertungsportalen und reagieren Sie auf Feedback.
4. Social Media
Nutzen Sie Social Media, um Einblicke in Ihren Arbeitsalltag zu geben. LinkedIn, Instagram oder Facebook sind perfekte Kanäle, um Ihre Unternehmenskultur zu zeigen.
Strategie 2: Überzeugende Stellenanzeigen schreiben
Die Stellenanzeige ist oft der erste Kontakt mit potenziellen Kandidaten. Sie entscheidet, ob sich jemand bewirbt oder nicht.
So schreiben Sie Stellenanzeigen, die wirken:
1. Verzichten Sie auf Standardfloskeln
„Wir suchen einen engagierten Mitarbeiter für unser dynamisches Team“ – solche Formulierungen haben tausende Anzeigen. Heben Sie sich ab! Schreiben Sie, was Ihre Stelle wirklich besonders macht.
2. Sprechen Sie die richtige Zielgruppe an
Verwenden Sie die Sprache Ihrer Zielgruppe. Für Kreative können Sie lockerer schreiben, für Juristen formeller. Passen Sie Ton und Stil an.
3. Zeigen Sie, was Sie bieten
Nennen Sie nicht nur Anforderungen, sondern auch Benefits. Was bekommt der Kandidat? Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Weiterbildungsmöglichkeiten, betriebliche Altersvorsorge, Jobticket, Obstkorb? Seien Sie konkret.
4. Seien Sie ehrlich
Übertreiben Sie nicht. Wenn Sie eine 60-Stunden-Woche erwarten, sagen Sie das. Wenn Ihr Büro in einer schlecht erreichbaren Gegend liegt, sagen Sie das. Ehrlichkeit schafft Vertrauen und vermeidet böse Überraschungen später.
5. Mobile Optimierung
Die meisten Jobsuchenden nutzen Smartphones für die Suche. Ihre Stellenanzeige muss auf mobilen Geräten gut lesbar sein.
Strategie 3: Den Bewerbungsprozess optimieren
Ein komplizierter, langwieriger Bewerbungsprozess schreckt gute Kandidaten ab. In umkämpften Branchen haben sie keine Geduld für Online-Formulare mit 50 Pflichtfeldern und Wochen ohne Rückmeldung.
So gestalten Sie einen kandidatenfreundlichen Prozess:
1. Einfache Bewerbung
Ermöglichen Sie Bewerbungen mit wenigen Klicks. Ein PDF-Upload von Lebenslauf und Anschreiben reicht völlig. Verzichten Sie auf überflüssige Pflichtfelder.
2. Schnelle Rückmeldung
Bestätigen Sie den Eingang der Bewerbung sofort – automatisch, aber persönlich formuliert. Geben Sie eine Zeitspanne an, wann der Kandidat mit einer Rückmeldung rechnen kann.
3. Transparenz
Halten Sie Kandidaten auf dem Laufenden. Wenn sich der Prozess verzögert, informieren Sie sie. Nichts ist frustrierender, als wochenlang im Ungewissen zu gelassen zu werden.
4. Respektvoller Umgang
Behandeln Sie jeden Bewerber mit Respekt – unabhängig davon, ob er oder sie die Stelle bekommt. Jeder abgelehnte Kandidat ist potenziell ein Kunde oder Multiplikator.
5. Konstruktive Absagen
Wenn Sie absagen müssen, geben Sie konstruktives Feedback, wenn möglich. Das hilft dem Kandidaten und hinterlässt einen positiven Eindruck.
Strategie 4: Die Candidate Experience verbessern
Die Candidate Experience umfasst die gesamte Wahrnehmung des Bewerbungsprozesses durch den Kandidaten. Eine positive Erfahrung stärkt Ihre Arbeitgebermarke, eine negative schadet ihr.
So verbessern Sie die Candidate Experience:
1. Freundlicher Erstkontakt
Der erste Kontakt (ob E-Mail, Telefon oder persönlich) sollte freundlich, wertschätzend und professionell sein.
2. Gute Vorbereitung
Bereiten Sie sich auf Vorstellungsgespräche vor. Nichts ist enttäuschender für einen Kandidaten, als wenn die Gesprächspartner seine Unterlagen nicht gelesen haben.
3. Wertschätzende Gesprächsführung
Führen Sie Gespräche auf Augenhöhe. Stellen Sie nicht nur Fragen, sondern geben Sie auch Informationen über das Unternehmen, das Team und die Position.
4. Schnelle Entscheidungen
Ziehen Sie den Prozess nicht unnötig in die Länge. Wenn Sie überzeugt sind, machen Sie schnell ein Angebot. Gute Kandidaten sind schnell vom Markt.
5. Onboarding nicht vergessen
Die Candidate Experience endet nicht mit der Zusage. Ein guter Onboarding-Prozess stellt sicher, dass sich der neue Mitarbeiter von Tag eins an willkommen fühlt.
Strategie 5: Wettbewerbsfähige Vergütung und Benefits
Gehalt ist nicht alles, aber es ist wichtig. In umkämpften Branchen müssen Sie marktübliche Gehälter zahlen – sonst haben Sie keine Chance.
Was gehört zu einem attraktiven Gesamtpaket?
1. Faire Grundvergütung
Recherchieren Sie regelmäßig, was Fachkräfte in Ihrer Branche und Region verdienen. Nutzen Sie Gehaltsstudien, Benchmarks und Austausch mit anderen Unternehmen.
2. Leistungsbezogene Boni
Boni, Prämien oder Gewinnbeteiligungen können zusätzliche Anreize schaffen.
3. Flexible Arbeitsmodelle
Homeoffice, Vertrauensarbeitszeit, Teilzeit, Vier-Tage-Woche – Flexibilität ist heute eines der wichtigsten Argumente für viele Arbeitnehmer.
4. Altersvorsorge
Betriebliche Altersvorsorge ist ein geschätztes Benefit, das Arbeitgeber von anderen abheben kann.
5. Gesundheitsangebote
Betriebliches Gesundheitsmanagement, Fitnesszuschüsse, ergonomische Arbeitsplätze – Investitionen in die Gesundheit der Mitarbeiter zahlen sich aus.
6. Weiterbildung
Budget für Fortbildungen, Konferenzen, Zertifikate – Mitarbeiter, die sich entwickeln können, bleiben länger.
7. Zusatzleistungen
Jobticket, Dienstrad, Kindergartenzuschuss, Verpflegungszuschuss – viele kleine Benefits ergeben ein großes Ganzes.
Strategie 6: Eine starke Unternehmenskultur pflegen
Kultur ist schwer zu definieren, aber sofort spürbar, wenn man ein Unternehmen betritt. Eine positive Unternehmenskultur ist einer der wichtigsten Faktoren für die Mitarbeiterbindung.
Elemente einer starken Unternehmenskultur:
1. Wertschätzung
Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt, wenn ihre Leistung anerkannt wird, wenn man ihnen zuhört und sie ernst nimmt.
2. Offene Kommunikation
Informationen werden geteilt, Entscheidungen transparent gemacht, Feedback ist erwünscht und wird ernst genommen.
3. Fehlerkultur
Fehler dürfen passieren, solange man aus ihnen lernt. Eine offene Fehlerkultur fördert Innovation und Kreativität.
4. Zusammenhalt
Kollegen unterstützen sich gegenseitig, feiern Erfolge gemeinsam und halten auch in schwierigen Zeiten zusammen.
5. Sinnstiftung
Mitarbeiter verstehen, welchen Beitrag ihre Arbeit zum großen Ganzen leistet. Sie sehen den Sinn in dem, was sie tun.
Strategie 7: Gezielte Ansprache und Active Sourcing
In umkämpften Branchen reicht es nicht, Stellenanzeigen zu schalten und zu warten. Sie müssen aktiv auf Talente zugehen. Das nennt man Active Sourcing.
Active Sourcing Strategien:
1. LinkedIn und Xing nutzen
Recruiter sollten aktiv auf LinkedIn und Xing nach Kandidaten suchen, Profile analysieren und persönliche Nachrichten schreiben.
2. Netzwerken
Besuchen Sie Branchenveranstaltungen, Konferenzen, Messsen. Knüpfen Sie Kontakte zu Fachkräften, auch wenn Sie gerade keine konkrete Stelle haben.
3. Empfehlungsprogramme
Ihre eigenen Mitarbeiter kennen oft gute Leute in ihrer Branche. Bieten Sie Prämien für erfolgreiche Empfehlungen.
4. Talent Pools aufbauen
Sammeln Sie Kontakte zu interessanten Kandidaten, auch wenn gerade keine passende Stelle frei ist. Bleiben Sie in losem Kontakt, damit Sie bei Bedarf schnell reagieren können.
5. Kooperationen mit Hochschulen
Pflegen Sie Kontakte zu Universitäten und Hochschulen. Bieten Sie Praktika, Abschlussarbeiten oder Gastvorträge an. So lernen Sie Talente früh kennen.
Strategie 8: Diversität und Inklusion fördern
Diverse Teams sind nachweislich innovativer, kreativer und erfolgreicher. Unternehmen, die Diversität fördern, haben einen Wettbewerbsvorteil.
So fördern Sie Diversität:
1. Bewusstsein schaffen
Sensibilisieren Sie Ihre Führungskräfte und Mitarbeiter für das Thema Diversität.
2. Vorurteilsfreie Auswahlverfahren
Achten Sie darauf, dass Ihre Auswahlverfahren frei von unbewussten Vorurteilen sind. Strukturierte Interviews und diverse Auswahlgremien helfen.
3. Inklusive Kultur
Schaffen Sie eine Kultur, in der sich alle Mitarbeiter willkommen und wertgeschätzt fühlen – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Alter, sexueller Orientierung oder Behinderung.
4. Flexible Arbeitsmodelle
Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice erleichtern Menschen mit unterschiedlichen Lebenssituationen die Teilhabe am Berufsleben.
Fazit: Talente gewinnen und binden
Der Wettbewerb um Talente wird nicht einfacher werden. Unternehmen, die erfolgreich sein wollen, müssen ihre Hausaufgaben machen: eine starke Arbeitgebermarke aufbauen, überzeugende Stellenanzeigen schreiben, einen kandidatenfreundlichen Prozess gestalten und eine positive Unternehmenskultur pflegen.
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